Finfluencer Circle Take Away No. 20 von Dr. Dr. Johannes Blassl
Die Diskussion um digitales Geld hat deutlich an Fahrt aufgenommen. Neben Kryptowerten wie Bitcoin stehen heute vor allem drei Konzepte im Fokus: Stablecoins, E-Geld und der digitale Euro.
Doch was unterscheidet diese Formen digitalen Geldes – technisch, regulatorisch und strategisch für Banken?
Im Gespräch mit Dr. Dr. Johannes Blassl, Rechtsanwalt und Senior Manager mit Schwerpunkt Bank- und Kapitalmarktrecht, wird klar: Die Unterschiede sind entscheidend – vor allem für Geschäftsmodelle und Regulierung.
1. Stablecoins – private digitale Werteinheiten
Stablecoins sind Kryptowährungen, deren Wert an eine stabile Referenz gekoppelt ist – meist eine staatliche Währung wie den Euro oder US-Dollar.
Beispiele:
- USDC
- Tether
Charakteristika:
- Meist privat emittiert
- Blockchain-basiert
- Reservegedeckt (theoretisch 1:1 durch Fiat-Währung oder Vermögenswerte)
- International einsetzbar
Regulatorischer Rahmen:
In der EU fallen Stablecoins unter die MiCA-Verordnung (Markets in Crypto-Assets Regulation). Dabei wird zwischen:
- E-Geld-Token (EMT)
- Asset-referenced Token (ART)
unterschieden.
Herausforderung:
Stablecoins bewegen sich im Spannungsfeld zwischen Innovation, Finanzmarktstabilität und Verbraucherschutz.
2. E-Geld – digital, aber kein Krypto
E-Geld existiert schon lange – etwa als Guthaben auf Prepaid-Karten oder Wallets. Es ist rechtlich klar definiert und streng reguliert.
Merkmale:
- Forderung gegen den Emittenten
- 1:1 in gesetzliche Währung umtauschbar
- Reguliert durch E-Geld-Richtlinie
- Kein eigenes Blockchain-Ökosystem notwendig
Im Gegensatz zu Stablecoins ist E-Geld kein Krypto-Asset, sondern eine digitale Form klassischen Giralgelds.
3. Der digitale Euro – staatliches digitales Zentralbankgeld
Der Digitaler Euro ist ein Projekt der Europäische Zentralbank.
Er wäre:
- Zentralbankgeld
- Gesetzliches Zahlungsmittel
- Direkt von der Zentralbank garantiert
Ziel:
Ein digitales Pendant zum Bargeld – verfügbar für Bürger:innen und Unternehmen im Euroraum.
Bedeutung für Banken:
- Neue Rolle als Intermediär
- Anpassung der Zahlungsinfrastruktur
- Potenzielle Auswirkungen auf Einlagenstruktur