Finfluencer Circle No. 20

Finfluencer Circle No. 20 Recap

Wenn Finanzexpertise auf Reichweite trifft

Der Finfluencer Circle feiert ein kleines Jubiläum: Mit der 20. Ausgabe unseres Formats kamen erneut Finanzexpert:innen, Content Creators und Branchenvertreter:innen zusammen, um über aktuelle Entwicklungen in der Finanzwelt, über Kommunikation und über die Rolle von Social Media im Finanzsektor zu sprechen.

Vom Kino zu Netflix – und jetzt vom Bargeld zu Wallets: Warum Payment 2026 wieder richtig spannend wird

Musik ist von Schallplatte zu Spotify geworden. Filme vom Kinoabend zu Netflix. Diese Transformationen haben etwas gemeinsam: Der “Bruch” in der Nutzererfahrung ist verschwunden. Du wählst aus – und der Rest passiert fast unsichtbar im Hintergrund.

Beim Bezahlen sind wir erstaunlicherweise noch nicht da.

Ja, Prozesse sind elektronisch. Aber sie sind oft nicht wirklich digital integriert: Du kaufst etwas – und wirst für den Bezahlvorgang aus dem Prozess herausgerissen (Kreditkarte eintippen, zu PayPal wechseln, Lastschriftmandat, TAN, Bestätigungen). Genau dieser Bruch ist der Hebel für eine neue Ära: Payment als paralleler, eingebetteter Strom – nicht als Extra-Schritt.

Und plötzlich wird möglich, was heute nur mühsam oder gar nicht geht.


Der zentrale Gedanke: “Embedded Payment” statt Checkout-Ritual

Die These aus dem Abend war klar: Wenn Zahlung nicht mehr ein separater Schritt ist, sondern im Geschäftsvorgang “mitläuft”, entstehen komplett neue Geschäftsmodelle.

Das klingt abstrakt – wird aber sehr konkret, sobald man an Maschinen, Fahrzeuge und automatisierte Prozesse denkt.


Ein Use Case, der hängenbleibt: Tankkarte vs. Wallet im LKW

Ein Beispiel aus der Praxis: Tankkarten im Flottengeschäft – inklusive einer (erschreckend hohen) Betrugsanfälligkeit. Der Kern des Problems ist banal: Der Fahrer kann auch privat tanken – mit der Firmenkarte.

Die radikale Lösung: Nicht der Mensch zahlt – sondern das Fahrzeug.

Wenn der LKW eine Wallet hat und das Unternehmen gezielt Geld fürs Tanken/Laden bereitstellt, kann der LKW selbst bezahlen. Ergebnis: weniger Betrug, weniger Reibung, bessere Nachvollziehbarkeit.

Und jetzt der Sprung nach vorn…


Induktives Laden: Payment als Sekunden-genauer Zahlungsstrom

Wer ein E-Auto fährt, kennt die Realität: Laden ist oft noch erstaunlich umständlich – Apps, Karten, Anbieter-Wildwuchs, Authentifizierungs- und Zahlungsbrüche.

Die Zukunftsvision: Induktives Laden (Auto steht über einer Fläche) + Wallet im Auto + digitaler Euro/Euro-Stablecoin.

Dann läuft Payment nicht “danach”, sondern parallel:

  • Strom fließt.
  • Zahlung fließt.
  • Genau so lange, wie geladen wird.
  • Fährt das Auto weg, endet der Zahlungsstrom – quasi in Echtzeit.

Das ist mehr als Komfort. Das ist ein anderes Paradigma: Der klassische “Point of Sale” löst sich auf.


Stablecoins: Infrastruktur-Thema statt Krypto-Hype

Ein wichtiger Punkt: Technisch ist vieles heute schon möglich – aber die Infrastruktur ist noch nicht “fertig gebaut”. Und genau deshalb ist das Thema so politisch und strategisch:

  • Der Markt ist stark US-Dollar-dominiert.
  • In Europa haben US-Player bei Euro-Stablecoins bereits enorme Bedeutung.
  • Daraus entsteht die Forderung nach europäischer Zahlungsverkehrs-Souveränität: “aus Europa für Europa”.

Das war kein Anti-USA-Reflex – eher eine nüchterne Beobachtung: Wer die Rails kontrolliert, kontrolliert Wertschöpfung, Standards, Daten und Abhängigkeiten.


Warum Payment plötzlich wieder “hot” ist

Ein Satz blieb sinngemäß hängen: Payment war für viele in den letzten Jahren eher ein “Beratungsthema, das langweilig wurde”. Jetzt kippt es – weil mehrere Trends gleichzeitig zünden:

  1. Blockchain als Infrastruktur für digitale Assets
  2. Stablecoins als pragmatische Brücke zwischen Krypto und Fiat-Welt
  3. AI & Agenten als Interface, das Reibung aus Prozessen nimmt

Die spannende Beobachtung: Nicht nur Banken und FinTechs treiben das. Auch Plattformen und Händler bauen sich Payment-Kompetenz (und teilweise eigene Infrastruktur) auf – weil sie die Volumina haben und Geschwindigkeit brauchen.


Der “Reality Check”: Notar, Immobilien, Wallet – und die Lücke dazwischen

Besonders greifbar wurde es beim Beispiel aus der klassischen Welt: Notartermin, Immobilienkauf, digitale Assets – und dann das knallharte “geht nicht” im Vertrag.

Nicht, weil Technologie fehlt. Sondern weil Prozesse, Recht, Absicherung, Bewertungsfragen und Akzeptanz noch nicht zusammenpassen.

Die Brücke, über die gesprochen wurde, ist pragmatisch:

  • Digitale Assets als Sicherheit
  • Fiat-Kredit (zunächst), weil das in bestehende Prozesse passt
  • später: Stablecoin-Kredite als nächster Evolutionsschritt

Das ist genau diese Übergangslogik, die Transformationen oft brauchen: Nicht sofort “alles neu”, sondern anschlussfähig modernisieren.


AI macht aus Payment ein “Nicht-Thema” – und genau das ist der Punkt

Ein Gedanke aus dem Abend war fast schon unheimlich: AI wird den Checkout-Bruch nicht nur “verschönern”, sondern wegautomatisieren.

Wenn Agenten künftig:

  • deine wiederkehrenden Ausgaben analysieren,
  • Bestellungen auslösen,
  • die Bezahlung im Hintergrund abwickeln,
  • und das alles in einem Flow passiert,

…dann denken Menschen weniger über Payment nach – und genau deshalb wird Payment strategisch wichtiger.

Denn wenn du das Bezahlen nicht mehr “merkst”, entscheidet nicht die schönste Checkout-Seite – sondern wer die unsichtbare Infrastruktur besitzt.


Europa 2026: Digitale Identitäten, Wallets, Produktpässe – der Money Stack kommt

Neben Payment schwang ein größerer Rahmen mit: Der “Money Stack” entsteht nicht isoliert. Er trifft auf:

  • europäische digitale Identitäts-Wallets
  • später Business Wallets
  • digitale Produktpässe
  • programmierbare Prozesse in Industrie & Lieferketten

Die Botschaft an Unternehmen (vor allem Mittelstand): Es geht weniger darum, ob man “an Stablecoins glaubt”. Es geht darum, digitale Rails bedienen zu können – sonst wird es hart, wenn globale Märkte und Partner das voraussetzen.


Und mitten drin: Finfluencer Circle x Business Punk – Befähigung statt Gatekeeping

Zum Schluss wurde es nochmal grundsätzlich: Die Entscheidung über Geld, Anlage, Tools und Strategien wandert immer stärker zu den Menschen selbst. Weniger Bankberater-Logik, mehr Selbstbestimmung – aber nur, wenn Wissen und Orientierung da sind.

Genau da setzt die Kooperation (Finfluencer Circle x Business Punk / AnlagePunk) an: Hybridmodell aus Redaktion + Creator-Expertise, um Menschen zu befähigen, bessere Entscheidungen zu treffen.


Mein Fazit: Das ist keine “Payment-Spielerei”, das ist ein Strukturwechsel

Was an diesem Abend deutlich wurde:

  • Payment ist nicht “ein Feature”. Payment wird Infrastruktur.
  • Stablecoins sind nicht “Krypto-Kram”. Sie sind (richtig eingesetzt) Rails.
  • AI ist nicht nur Effizienz. AI ist das neue Interface zur Wertschöpfung.
  • Und Europa muss entscheiden, ob es Nutzer fremder Systeme bleibt – oder Mitgestalter eigener Standards wird.

Vielleicht ist es am Ende wie bei Musik und Film: Die Gewinner sind nicht die, die das Alte am längsten verteidigen. Sondern die, die den neuen Flow so bauen, dass er sich anfühlt wie selbstverständlich.

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