The Finfluencer Circle TV: Birgit Hass im Gespräch mit Endrit Cela von AMF Capital

Endrit Cela im Interview: Wie KI, Verantwortung und aktives Fondsmanagement zusammengehören

Wie gelingt professionelles Fondsmanagement in volatilen Zeiten? Was bedeutet echte Diversifikation? Und welche Verantwortung tragen Fondsmanager und Finfluencer bei der Vermittlung von Finanzwissen?

Darüber spricht Birgit Hass in der neuen Ausgabe von Finfluencer Circle TV mit André Chela, Partner und Eigentümer von AMF Capital sowie Head of Portfolio Management. Das Interview wurde an der Deutschen Börse aufgezeichnet.

Diversifikation ist mehr als eine große Zahl von Aktien

Endrit Cela verantwortet bei AMF Capital zwei Publikumsfonds. Für ihn bedeutet Diversifikation nicht automatisch, möglichst viele verschiedene Wertpapiere in ein Portfolio aufzunehmen.

Ein breit gestreuter Index wie der MSCI World umfasst mehr als 1.000 Unternehmen. Doch auch ein konzentrierteres Portfolio aus 30 bis 40 sorgfältig ausgewählten Aktien und Anleihen kann nach seiner Einschätzung ausreichend diversifiziert sein. Entscheidend sind die Zusammensetzung des Portfolios, die Qualität der Unternehmen sowie ein konsequentes Risiko- und Liquiditätsmanagement.

AMF Capital investiert vor allem in mittelständische Unternehmen und Large Caps. Ein kleinerer Anteil des Portfolios entfällt auf kleinere Unternehmen. Dadurch soll auch in schwierigen Marktphasen eine ausreichende Liquidität gewährleistet bleiben.

Rendite und Risiko müssen gemeinsam betrachtet werden

Eine hohe Rendite allein ist noch kein Beleg für eine gute Anlagestrategie. Entscheidend ist, welches Risiko eingegangen werden musste, um diese Rendite zu erzielen.

Eine wichtige Kennzahl ist dabei die Sharpe Ratio. Sie setzt die erzielte Rendite ins Verhältnis zum eingegangenen Risiko. Für André Chela ist dieses Verhältnis ein wesentliches Kriterium bei der Beurteilung eines Portfolios.

Professionelles Fondsmanagement bedeutet daher nicht, möglichst spektakuläre Ergebnisse zu versprechen. Es geht vielmehr darum, Chancen und Risiken realistisch abzuwägen und langfristig verantwortungsvoll mit dem Kapital der Kundinnen und Kunden umzugehen.

Fondsmanager müssen sich stärker an der Finanzbildung beteiligen

Neben seiner Tätigkeit als Fondsmanager ist Endrit Cela als Podcaster und Newsletter-Autor aktiv. Er sieht es als Teil seiner gesellschaftlichen Verantwortung, komplexe Finanzthemen verständlich zu erklären.

Aus seiner Sicht sollten sich deutlich mehr Praktikerinnen und Praktiker aus dem Finanzsektor an der öffentlichen Diskussion beteiligen. Fondsmanager, Portfoliomanager und Finanzberater verfügen über Erfahrungen, die für Anlegerinnen und Anleger wertvoll sein können. Dieses Wissen sollte nicht ausschließlich innerhalb der Branche bleiben.

Gleichzeitig wünscht sich André Chela mehr Qualität und Konsequenz in der Finfluencer-Welt. Unrealistische Renditeversprechen und vermeintlich sichere Tipps für eine Verzehnfachung von Aktienkursen hätten mit verantwortungsvoller Finanzbildung wenig zu tun.

Gute Finanzkommunikation muss Chancen und Risiken gleichermaßen benennen, Zusammenhänge erklären und Menschen dazu befähigen, eigenständig fundierte Entscheidungen zu treffen.

KI als Hebel für das Fondsmanagement

Mit künstlicher Intelligenz beschäftigt sich Endrit Cela bereits seit dem Start von ChatGPT im November 2022. Früh begann er damit, konkrete Einsatzmöglichkeiten für seine tägliche Arbeit zu entwickeln.

Für einen seiner Podcasts ließ er seine Stimme klonen. Dadurch kann er einen täglichen Kapitalmarkt-Podcast produzieren und aktuelle Informationen regelmäßig mit seinem Publikum und seinen Kunden teilen. Was vor dem Einsatz von KI kaum mit vertretbarem Aufwand möglich gewesen wäre, lässt sich heute in etwa einer halben Stunde umsetzen.

Dabei betont er ausdrücklich, dass auch KI-gestützte Inhalte weiterhin Arbeit, Kontrolle und fachliche Einordnung erfordern.

Ersetzt KI künftig den Fondsmanager glaubt nicht, dass künstliche Intelligenz den Fondsmanager vollständig ersetzen wird. Er sieht sie vielmehr als enormen Effizienzhebel.

Researchaufgaben, für die früher ein größeres Team von Analysten benötigt wurde, können heute mit KI-Unterstützung von deutlich kleineren Teams bewältigt werden. Die gewonnene Zeit kann anschließend für die Entwicklung neuer Portfolios und Produkte oder für den persönlichen Austausch mit Kundinnen und Kunden eingesetzt werden.

Der größte Mehrwert entsteht somit nicht allein durch die Automatisierung einzelner Aufgaben. KI kann Fondsmanagern den Freiraum geben, sich stärker auf strategische Entscheidungen, Innovationen und Beziehungen zu konzentrieren.

Kompetenz, Technologie und Verantwortung gehören zusammen

Das Gespräch zeigt: Auch im Zeitalter künstlicher Intelligenz bleiben Erfahrung, Urteilsvermögen und Verantwortung unverzichtbar.

KI kann Informationen schneller auswerten, Researchprozesse unterstützen und die Produktion von Inhalten erleichtern. Doch die fachliche Bewertung, das Risikomanagement und die Verantwortung gegenüber den Anlegerinnen und Anlegern bleiben beim Menschen.

Für die Finanzbranche liegt darin eine große Chance: Sie kann Technologie nutzen, um produktiver zu arbeiten und gleichzeitig mehr Zeit in transparente Kommunikation und fundierte Finanzbildung zu investieren.

Das vollständige Gespräch mit André Chela gibt es jetzt bei Finfluencer Circle TV auf YouTube.

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