Ja — ich würde die beiden Beiträge bewusst unterschiedlich aufziehen: Beim Finfluencer Circle stärker mit Community, Teilhabe und Sichtbarkeit; bei chocolateblue.blog persönlicher und stärker aus Leadership-Perspektive. Das Buch Inklusion am Arbeitsplatz ist 2026 bei Haufe erschienen und verbindet Schönwalds eigene Erfahrungen mit mehr als 20 Jahren Führungspraxis mit konkreten Ansätzen für HR, Recruiting, Führung, Barrierefreiheit und Unternehmenskultur. Haufe Shop
1. Für den Finfluencer Circle
Inklusion ist kein Extra. Sie ist eine Frage guter Arbeit.
Wir sprechen im The Finfluencer Circle viel über Sichtbarkeit.
Darüber, Menschen eine Bühne zu geben. Stimmen hörbar zu machen. Netzwerke zu öffnen. Wissen zu teilen.
Aber wer ist eigentlich sichtbar – und wer muss jeden Tag zusätzliche Energie aufbringen, um überhaupt selbstverständlich teilhaben zu können?
Genau deshalb hat mich „Inklusion am Arbeitsplatz – HR-Prozesse gestalten und die Unternehmenskultur positiv beeinflussen“ von Nadine Schönwald beschäftigt.
Denn eine zentrale Erkenntnis zieht sich durch das Buch: Viele Barrieren sind für diejenigen, die nicht von ihnen betroffen sind, nahezu unsichtbar.
Sie stecken nicht nur in Treppen oder fehlenden Aufzügen.
Sie stecken in Meetings. In Dienstreisen. In Events. In Bewerbungsprozessen. In Arbeitszeiten. In Kommunikation. Und manchmal schlicht in unserer Vorstellung davon, wie ein leistungsfähiger Mensch zu funktionieren hat. Haufe Shop
Die unsichtbare Mehrarbeit
Besonders wichtig finde ich einen Aspekt, den Nadine sichtbar macht: die zusätzliche Arbeit, die Menschen mit Behinderungen, chronischen Erkrankungen oder anderen individuellen Bedürfnissen im Berufsalltag häufig leisten müssen.
Organisieren. Erklären. Vorausplanen. Nachfragen. Kompensieren.
Während andere einfach an einem Meeting teilnehmen, muss jemand anderes vielleicht vorher klären: Ist der Raum zugänglich? Funktioniert die Technik? Kann ich an der Dienstreise teilnehmen? Muss ich meine Situation erklären – und wenn ja, wem?
Diese Arbeit taucht in keiner Stellenbeschreibung auf.
Und genau deshalb wird sie so leicht übersehen.
Inklusion beginnt nicht beim Menschen
Wir sprechen in Unternehmen gerne darüber, ob jemand „ins Team passt“.
Vielleicht sollten wir die Frage umdrehen:
Passt unsere Organisation eigentlich zu unterschiedlichen Menschen?
Nadine Schönwald beschäftigt sich sehr konkret mit dieser Ebene: von inklusiver Personalgewinnung und barrierearmen Arbeitsbedingungen über Mikroaggressionen bis zu Tokenism und Inclusive Leadership. Haufe Shop
Das macht das Buch für mich so wertvoll: Inklusion wird nicht als Sonderprojekt behandelt.
Sie wird zur Führungs- und Managementaufgabe.
Was hat das mit dem Finfluencer Circle zu tun?
Sehr viel.
Eine Community lebt von unterschiedlichen Perspektiven.
Aber Vielfalt entsteht nicht dadurch, dass wir ein möglichst buntes Gruppenfoto produzieren.
Sie entsteht dann, wenn Menschen tatsächlich Zugang bekommen.
Wenn sie sprechen können.
Wenn ihnen zugehört wird.
Wenn unterschiedliche Voraussetzungen nicht als Störung betrachtet werden.
Und wenn wir uns immer wieder fragen:
Welche Stimme fehlt gerade in diesem Raum?
Auf ihrer eigenen Website beschreibt Nadine genau diese Frage als ein Ritual vor Meetings. Ich finde, sie könnte auch ein ziemlich guter Grundsatz für Community Building sein. Nadine Schönwald
Mein Fazit
Inklusion am Arbeitsplatz ist kein Buch, das Unternehmen ein gutes Gefühl verschaffen möchte.
Es ist ein Praxisbuch, das dazu auffordert, genauer hinzusehen.
Nicht Menschen müssen in bestehende Systeme passen.
Wir müssen Systeme so gestalten, dass unterschiedliche Menschen darin ihre Stärken entfalten können.
Und vielleicht ist genau das am Ende die einfachste Definition von Inklusion.
Nicht Sonderbehandlung.
Nicht Symbolpolitik.
Sondern: gute Arbeit für möglichst viele Menschen möglich machen.
Danke, liebe Nadine, für dieses wichtige Buch – und vor allem dafür, dass du nicht nur über Inklusion sprichst, sondern zeigst, wie sie im Arbeitsalltag konkret werden kann.