Take Aways des Finfluencer Circle No. 20 vom Kurzimpuls von Julian Ullrich von stabble
Die Debatte ist so alt wie Bitcoin selbst: Wird das dezentrale Finanzsystem (DeFi) das traditionelle Finanzsystem (TradFi) ablösen? Oder erleben wir gerade vielmehr die Entstehung eines hybriden Modells?
Im Gespräch mit Julian Ullrich, Unternehmer, DeFi-Experte und Mitgründer von stabble, wird schnell klar: Es geht weniger um Verdrängung – sondern um Integration.
Revolution oder Koexistenz?
DeFi ist technologisch radikal:
- Peer-to-Peer-Strukturen
- Smart Contracts
- Globale, permissionless Märkte
- Programmierbare Liquidität
TradFi hingegen basiert auf:
- Regulierung
- Intermediären
- institutionellem Vertrauen
- etablierten Risiko- und Compliance-Strukturen
Die entscheidende Frage lautet nicht, welches System gewinnt, sondern:
Wo entsteht der größte Mehrwert?
Julian Ullrich argumentiert, dass DeFi in Bereichen wie Transparenz, Geschwindigkeit und globaler Zugänglichkeit strukturelle Vorteile bietet. Gleichzeitig verfügen Banken über jahrzehntelange Erfahrung in Risikomanagement, Kapitalsteuerung und regulatorischer Einbettung.
Die Zukunft liegt daher nicht im „Entweder-oder“, sondern im „Sowohl-als-auch“.
Die Rolle von Non-US-Dollar-Stablecoins
Ein zentrales Thema für die nächste Entwicklungsphase von DeFi ist die Währungsfrage. Der Markt ist heute stark USD-dominiert. Stablecoins wie USDT oder USDC bilden das Rückgrat der globalen Liquidität.
Doch was passiert, wenn sich das ändert?
Warum Non-USD-Stablecoins strategisch relevant werden
- Geopolitische Diversifizierung
Digitale Märkte sind global – aber Währungsdominanz ist politisch. Euro-, Yen- oder andere regionale Stablecoins könnten geopolitische Abhängigkeiten reduzieren. - Regulatorische Integration in Europa
Mit MiCA entsteht in der EU ein klarer Rahmen für Stablecoins. Das eröffnet die Chance, institutionell tragfähige Euro-Stablecoin-Strukturen aufzubauen. - Brücke zwischen DeFi und institutionellem Kapital
Europäische Banken und Treasuries werden eher in Euro-denominierte digitale Assets investieren als in USD-dominierte Strukturen. - Digitale Kapitalmärkte in lokaler Währung
Tokenisierte Anleihen, Fonds oder strukturierte Produkte benötigen stabile digitale Referenzwährungen. Non-USD-Stablecoins sind hierfür essenziell.
Wird DeFi TradFi ersetzen?
Kurz gesagt: Nein.
Aber es wird es verändern.
DeFi ersetzt keine Regulierung, keine Zentralbanken und kein institutionelles Risikomanagement. Was es jedoch verändert, sind:
- Abwicklungsprozesse
- Liquiditätsstrukturen
- Zugangsbarrieren
- Kostenmodelle
- Geschwindigkeit von Transaktionen
Die spannendste Entwicklung entsteht an der Schnittstelle:
Wenn Banken beginnen, Blockchain-Infrastruktur zu nutzen – und DeFi-Protokolle regulatorische Standards integrieren.
Hybridmodelle als Zukunftsszenario
Julian Ullrich sieht die größte Dynamik in hybriden Strukturen:
- Regulierte On-Chain-Produkte
- Tokenisierte Real-World-Assets
- Institutionelle Liquiditätspools
- Compliance-integrierte Smart Contracts
Hier treffen Effizienz und Sicherheit aufeinander.
Das Ziel ist nicht Anarchie im Finanzsystem – sondern programmierbare, transparente Märkte innerhalb klarer Rahmenbedingungen.
Fazit
DeFi wird das traditionelle Finanzsystem nicht verdrängen.
Aber es wird dessen Infrastruktur modernisieren.
Non-US-Dollar-Stablecoins spielen dabei eine Schlüsselrolle: Sie ermöglichen regionale Souveränität, institutionelle Integration und neue digitale Kapitalmarktstrukturen.
Die Zukunft ist weder rein dezentral noch rein traditionell.
Sie ist vernetzt, programmierbar – und strategisch hybrid.
Und genau dort entstehen die spannendsten Geschäftsmodelle der nächsten Dekade.