Buchtipp von Birgit von Dr. Dominik Benner

Stay hungry: Warum Karriere heute weniger mit Titeln und mehr mit Haltung zu tun hat

Von Birgit Hass

„Stay hungry.“

Ein Satz, der zunächst nach Karriere-Hustle klingt. Nach höher, schneller, weiter. Nach dem nächsten Titel, dem größeren Verantwortungsbereich, dem nächsten Schritt auf der Karriereleiter.

Ich verstehe ihn anders.

Neugierig bleiben. Nicht stehen bleiben. Chancen erkennen. Lernen wollen. Und bereit sein, Verantwortung zu übernehmen.

Genau darum geht es in „STAY HUNGRY – Was bei der Karriere im Mittelstand zählt“ von Dr. Dominik Benner.

Und vielleicht passt dieser Gedanke gerade deshalb so gut in unsere Zeit, weil Karriere heute immer seltener einer geraden Linie folgt.

Die klassische Karriereleiter hat ausgedient

Ausbildung oder Studium. Einstieg. Beförderung. Führungskraft. Geschäftsführung.

So einfach ließ sich Karriere vielleicht einmal erzählen.

Heute sind Berufsbiografien vielfältiger. Menschen wechseln Branchen, übernehmen Projekte, gründen Unternehmen, bauen neben ihrem eigentlichen Job Communities auf, entwickeln Personal Brands oder entdecken mit 40, 50 oder 60 noch einmal völlig neue Themen.

Das empfinde ich nicht als Schwäche.

Im Gegenteil.

Denn die spannende Frage lautet nicht mehr ausschließlich:

„Was ist dein nächster Titel?“

Sondern:

„Wo kannst du Wirkung entfalten?“

Der Mittelstand braucht Menschen, die machen

Gerade im Mittelstand wird schnell deutlich, dass ein beeindruckender Lebenslauf allein noch keine Probleme löst.

Unternehmen brauchen Menschen, die Verantwortung übernehmen.

Die Entscheidungen treffen.

Die Chancen erkennen.

Die auch dann anfangen, wenn noch nicht jedes Detail geklärt ist.

Und die verstehen, dass Unternehmertum immer auch bedeutet, mit Unsicherheit umgehen zu können.

Das ist für mich einer der spannenden Gedanken hinter Stay Hungry: Karriere entsteht nicht ausschließlich dadurch, dass jemand anderes uns den nächsten Schritt anbietet.

Wir können ihn selbst gestalten.

„Hungry“ bedeutet nicht „nie zufrieden“

Dabei ist mir eine Unterscheidung besonders wichtig.

Hungry zu bleiben bedeutet für mich nicht, niemals zufrieden sein zu dürfen.

Es bedeutet nicht, permanent verfügbar zu sein.

Es bedeutet nicht, jedem neuen Titel hinterherzulaufen.

Und schon gar nicht bedeutet es, Erfolg ausschließlich über Status oder Einkommen zu definieren.

„Hungry“ bedeutet für mich etwas anderes:

Die Bereitschaft, weiter zu lernen.

Offen zu sein für neue Themen.

Menschen kennenzulernen, die anders denken als wir.

Fragen zu stellen.

Und gelegentlich auch zuzugeben:

Das weiß ich noch nicht. Aber ich möchte es verstehen.

Diese Form der Neugier halte ich für eine der wichtigsten Kompetenzen unserer Arbeitswelt.

Karriere ist längst auch Netzwerk

Hier gibt es eine starke Verbindung zum The Finfluencer Circle.

Denn Karriere entsteht nicht im luftleeren Raum.

Menschen eröffnen Möglichkeiten für andere Menschen.

Jemand empfiehlt uns.

Jemand bringt uns auf eine Idee.

Jemand stellt eine Verbindung her.

Jemand sagt: „Du solltest unbedingt mit dieser Person sprechen.“

Oder jemand traut uns etwas zu, das wir uns selbst vielleicht noch gar nicht zugetraut haben.

Deshalb ist Networking für mich auch kein Sammeln von Kontakten.

Ein gutes Netzwerk erweitert den eigenen Horizont.

Es bringt Menschen, Wissen und Möglichkeiten zusammen.

Und im besten Fall funktioniert es in beide Richtungen: Ich frage nicht nur, wer mir helfen kann, sondern auch, für wen ich selbst eine Tür öffnen kann.

Personal Branding gehört dazu

Karriere bedeutet heute außerdem, sichtbar zu machen, wofür man steht.

Das ist für mich der Kern von Personal Branding.

Nicht möglichst laut zu sein.

Nicht jeden Tag eine vermeintlich perfekte Erfolgsgeschichte zu erzählen.

Sondern Klarheit zu schaffen:

Was kann ich? Wofür stehe ich? Was interessiert mich? Wo kann ich einen Beitrag leisten?

Wer diese Fragen beantworten kann und sein Wissen mit anderen teilt, schafft Vertrauen.

Und Vertrauen ist eine ziemlich starke Karrierewährung.

Gerade in einer Welt, in der Lebensläufe immer weniger linear werden.

KI verändert zusätzlich die Spielregeln

Dazu kommt ein weiterer Faktor: künstliche Intelligenz.

Wissen wird immer schneller verfügbar. Aufgaben verändern sich. Tätigkeitsprofile entstehen und verschwinden. Fähigkeiten, die heute gefragt sind, können in wenigen Jahren selbstverständlich automatisiert sein.

Umso wichtiger wird Lernfähigkeit.

Vielleicht ist deshalb „Stay hungry“ auch ein ziemlich gutes Motto für das KI-Zeitalter.

Nicht, weil wir permanent einem technologischen Trend hinterherlaufen sollten.

Sondern weil wir bereit sein müssen, unser eigenes Wissen immer wieder infrage zu stellen.

Die vielleicht gefährlichste Haltung lautet heute:

„Das haben wir schon immer so gemacht.“

Was bedeutet eigentlich Erfolg?

Am Ende führt mich das Buch zu einer Frage, die wir auch im Finfluencer Circle immer wieder diskutieren:

Was ist eigentlich eine erfolgreiche Karriere?

Der höchste Titel?

Das größte Gehalt?

Die meisten Mitarbeitenden?

Die beeindruckendste LinkedIn-Bio?

Vielleicht.

Für mich gehört inzwischen noch etwas anderes dazu:

Gestaltungsspielraum.

Die Möglichkeit, Themen voranzubringen, Menschen miteinander zu verbinden, Neues auszuprobieren und dort Wirkung zu erzielen, wo man selbst einen Sinn erkennt.

Und manchmal bedeutet Karriere deshalb nicht, eine weitere Stufe nach oben zu steigen.

Manchmal bedeutet sie, eine neue Tür zu öffnen.

Mein Fazit

STAY HUNGRY – Was bei der Karriere im Mittelstand zählt von Dr. Dominik Benner ist für mich vor allem eine Erinnerung daran, Karriere nicht als fertigen Plan zu betrachten.

Wir können planen.

Aber wir sollten offen genug bleiben, um Möglichkeiten zu erkennen, die in diesem Plan überhaupt nicht vorgesehen waren.

Deshalb nehme ich aus dem Buch drei Worte mit:

Stay hungry. Stay curious. Stay moving.

Nicht immer höher, schneller, weiter.

Sondern offen, neugierig und bereit für den nächsten Schritt – auch wenn wir heute noch nicht wissen, wohin er führt.

Danke, lieber Dominik Benner, für diesen Impuls und das Buch. 📚

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