Im Interview: Geir Espekog – Boreas ETF „Die Zukunft investieren: Boreas setzt auf Quantum Computing, KI und Luxus als langfristige Wachstumsthemen“
Wer sind Sie und was unterscheidet Boreas von den großen ETF-Anbietern?
Boreas ist eine neue und innovative Marke für thematische ETFs und wird von Lunate verwaltet, einem institutionellen Vermögensverwalter aus Abu Dhabi mit einem verwalteten Vermögen von rund 115 Milliarden US-Dollar. Hinter Boreas steht ein Team, das über viele Jahre hinweg ETF-Geschäfte bei einigen der größten Namen der Branche aufgebaut und skaliert hat, darunter BlackRock iShares, FTSE Russell und Flow Traders.
Große ETF-Anbieter sind hervorragend darin, breit diversifizierte und kostengünstige Indexlösungen anzubieten, die das Fundament vieler Anlegerportfolios bilden. In diesem Bereich haben sie den Markt maßgeblich geprägt. Größe bedeutet jedoch nicht automatisch Innovation. Für große Häuser lohnt es sich häufig nicht, frühzeitig auf neue Themen zu setzen, da diese zunächst noch zu klein sind, um einen wesentlichen Einfluss auf das Gesamtgeschäft zu haben.
Genau hier sieht Boreas seine Chance. Als spezialisierter Anbieter können wir frühzeitig strukturelle Wachstumstrends identifizieren, innovative Produkte entwickeln und Anlegern gezielten Zugang zu Zukunftsthemen ermöglichen.
Unser Ansatz kombiniert aktives Denken mit der Disziplin eines Indexprodukts. Wir leisten die Analyse- und Überzeugungsarbeit eines aktiven Asset Managers und stellen diese anschließend in einem transparenten und kosteneffizienten ETF-Format zur Verfügung. So verbinden wir die Vorteile beider Welten – mit der Flexibilität eines Spezialisten und der Infrastruktur eines institutionellen Vermögensverwalters.
Welche ETFs haben Sie bislang aufgelegt und warum gerade diese Themen?
Innerhalb von weniger als zwei Monaten haben wir drei UCITS-ETFs aufgelegt, die sowohl auf Xetra als auch an der Börse Abu Dhabi gelistet sind. Jeder dieser ETFs konzentriert sich auf einen langfristigen strukturellen Trend und nicht auf kurzfristige Marktmoden.
QQCC bietet Anlegern Zugang zum Thema Quantencomputing und basiert auf dem ersten Quantencomputing-Index Europas. Wir betrachten Quantencomputing als einen neuen Technologiesektor innerhalb der Halbleiterindustrie. Ähnlich wie GPUs die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz ermöglicht haben, könnte Quantencomputing künftig Bereiche wie Chemie, Materialforschung oder Medikamentenentwicklung revolutionieren. Die technologische Grundlage existiert bereits, und die ersten Durchbrüche werden zunehmend sichtbar.
POWR konzentriert sich auf die Infrastruktur hinter dem KI-Boom. Während viele Anleger über Standardindizes bereits in Chip-Hersteller investiert sind, wird oft übersehen, welche enormen Investitionen in Rechenzentren, Stromversorgung und Netzwerkinfrastruktur notwendig sind, um Künstliche Intelligenz überhaupt betreiben zu können. Für dieses Jahr erwarten wir Investitionen von rund 650 Milliarden US-Dollar in Rechenzentren. Bis zum Ende des Jahrzehnts könnte dieser Betrag auf nahezu eine Billion US-Dollar jährlich steigen.
LUXY ist ein fokussierter Luxus-ETF und setzt auf den langfristigen globalen Vermögensaufbau. Anders als viele Wettbewerber definieren wir Luxus nicht über allgemeine Konsummarken. Für uns stehen exklusive Marken, Tradition, Handwerkskunst und Statussymbole im Mittelpunkt. Luxus profitiert langfristig von wachsendem Wohlstand weltweit und gilt als einer der klarsten Indikatoren für die Entstehung neuer Vermögen.
Gemeinsam ist allen drei ETFs der Fokus auf strukturelle Wachstumsthemen, die in klassischen Indizes wie dem MSCI World oder dem S&P 500 bislang unterrepräsentiert sind, deren Bedeutung in den kommenden Jahren jedoch deutlich zunehmen könnte.
Warum ist jetzt der richtige Zeitpunkt für Privatanleger, sich mit thematischen ETFs zu beschäftigen?
Aktuell treffen zwei Entwicklungen aufeinander.
Zum einen übernimmt eine neue Generation von Anlegern deutlich mehr Verantwortung für ihre eigene Vermögensplanung. Digitale Plattformen haben viele traditionelle Hürden beseitigt. Menschen, die früher ausschließlich auf Bankberater vertrauten, bauen heute zunehmend ihre eigenen Portfolios auf. Gleichzeitig wächst das Bewusstsein dafür, dass die private Altersvorsorge stärker selbst gestaltet werden muss.
Zum anderen befindet sich der Markt für thematische ETFs noch in einer vergleichsweise frühen Entwicklungsphase, wächst jedoch mit hoher Dynamik. Ein aktuelles Beispiel sind europäische Verteidigungs-ETFs, die innerhalb von rund 18 Monaten etwa 20 Milliarden Euro an Anlegergeldern eingesammelt haben. Das zeigt, wie schnell Kapital in ein Thema fließen kann, wenn ein überzeugender Investmenttrend auf das passende Produkt trifft.
Für Anleger stellt sich daher weniger die Frage, ob thematische Investments Teil eines Portfolios sein sollten. Entscheidend ist vielmehr der richtige Zeitpunkt. Die erfolgreichsten Themen sind häufig jene, die bereits investiert werden, bevor sie zum Mainstream werden.
Langfristig entstehen die größten Chancen oft dort, wo strukturelle Veränderungen beginnen – und nicht erst dann, wenn sie bereits allgemein erkannt sind.
